Schwimmbadbesuch – im Lichte von „Hayaa“

Das arabische Wort „Hayaa“ kann man als eine Mischung aus Schamhaftigkeit, Keuschheit und Sittsamkeit bezeichnen. Der Prophet MuhammadSAW hat es als einen Teil des Glaubens bezeichnet. So ist Hayaa ein wichtiger Bestandteil des muslimischen Glaubens. In den Überlieferungen finden wir, dass Hayaa eine Eigenschaft Allahs ist und das Allah Hayaa liebt.1 Wir als Muslime sind, sind bemüht die Eigenschaften Allahs uns anzueignen, damit wir unseren Schöpfer, als Menschen, so weit wie möglich ähneln. Je mehr Eigenschaften Allahs wir uns aneignen, desto besser und inniger wird unsere Beziehung zu Ihm. Der ProphetSAW betonte, dass Hayaa und Glauben miteinander verbunden sind, wer das eine verlässt, verlässt auch das andere.2 Dabei dient Hayaa zu Verschönerung des Menschen und bringt nur Gutes.3 Der ProphetSAW erklärte die Weisheit des Wertes Hayaa, dass Hayaa eine Hemmschwelle für Unmoral aufbaut, so sagte erSAW: „Ein Teil dessen, was die Menschen über die Worte des ersten Prophetentums wissen, ist, dass jemand, der kein Hayaa besitzt, tun wird, was ihm gefällt.“4 Nun wie steht es mit der Vereinbarkeit von Hayaa und dem Schwimmbadbesuch? Ist das überhaupt möglich zu vereinbaren?

Eins ist klar: Das Schwimmen an sich gehört zur Grundausbildung jedes Menschen – unabhängig von Geschlecht und Alter. Das Schwimmen kann nicht nur das eigene Leben retten, sondern auch das Leben anderer. Eltern sollten weitsichtig planen und versuchen, schon Kleinkinder so früh wie möglich zu Schwimmkursen anzumelden. In der Regel findet der Schwimmunterricht in Deutschland in der 3. oder 4. Klasse statt, also noch vor der Pubertät. Daher gibt es keinen theologischen Grund, warum muslimische Mädchen nicht am Unterricht teilnehmen sollten. Grundsätzlich sollte man Kindern schon so früh wie möglich den Wert von „Hayaa“ beibringen. Das bedeutet, dass man beim Umkleiden, Duschen und bei der Schwimmkleidung grundsätzlich auf Schamhaftigkeit achten sollte. Falls es die – eher seltene – Situation geben sollte, in der für muslimische Schülerinnen in oder nach der Pubertät die Teilnahme am Schwimmunterricht verpflichtend ist, dann ist es mit einer Ganzkörperschwimmkleidung (Burkini) möglich, am Schwimmunterricht teilzunehmen. Kurzum: In der Regel findet man sehr pragmatische Lösungen, um das Schwimmen zu erlernen, ohne die religiösen Lehren beiseitezulegen. Wie sieht es aber mit dem Schwimmbadbesuch in der Jugend oder später aus – sei es, um das Schwimmen zu erlernen oder um Sport zu betreiben?

Im Grunde genommen ist auch hier „Hayaa“ für beide Geschlechter geboten. Muslimische Frauen sollten Angebote für „Frauenschwimmen“ nutzen, die es in sehr vielen Ortschaften gibt, und dabei auf „Hayaa-Konforme“ Schwimmkleidung achten. Männer sollten Schwimmbäder nicht zu Zeiten besuchen, in denen sie mit Besuchern vollgepackt sind, sondern zu Zeiten wie den frühen Morgenstunden, damit sie fokussiert ihre Bahnen schwimmen oder Schwimmübungen durchführen können. Auch ist es möglich, mit Khuddam und Atfal zu diesen Zeiten das Schwimmbad zu besuchen, um das Schwimmen zu erlernen und Spaß zu haben. Was jedoch klar vermieden werden sollte, sind Schwimmbadbesuche zu Stoßzeiten mit gemischten Geschlechtern, nur um Spaß zu haben, herumzualbern und die Blicke in alle Richtungen schweifen zu lassen. Dieses Verhalten entspricht nicht dem Wert von „Hayaa“ im Islam und verletzt auch das Gebot aus dem Heiligen Qur’ân die Blicke auf den Boden zu schlagen. Den Wert von „Hayaa“ zu verinnerlichen und zu leben, ist für jeden Muslim und jede Muslima äußerst wichtig. Beide Geschlechter sind religiös verpflichtet, auf ihre Schamhaftigkeit zu achten. Mit „Hayaa“ im Inneren und Äußeren steht dann den Schwimmbadbesuch nichts im Wege.

 

Referenzen:

1 Mishkat al-Masabih 447 – https://sunnah.com/mishkat:447

2 Al-Adab Al-Mufrad, Book 56, Hadith 9 – https://sunnah.com/adab/56/9

3 Jami` at-Tirmidhi 1974 – https://sunnah.com/tirmidhi:1974

4 Al-Adab Al-Mufrad, Book 56, Hadith 12- https://sunnah.com/adab/56/1

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